Wasserseelen

Pünktlich zu Beginn unseres ersten Workshops in diesem Jahr sollte das anhaltende Frühlingswetter durch einen grauen Tag unterbrochen werden. Eine perfekte Gelegenheit, um Wasservögel in zarten High-Key-Aufnahmen festzuhalten, dachten wir uns.

Und so trafen wir uns am Samstagnachmittag mit neun Fotograf*innen am Parkplatz. Lautes Geklapper begrüßte uns direkt – die Störche waren bereits fleißig mit dem Ausbau ihrer Nester beschäftigt und gaben uns gleich zu Beginn ein erstes Motiv.

Schon nach den ersten Metern wurde allerdings klar: Der Tag würde fotografisch etwas anspruchsvoller werden als gedacht. Ein kräftiger Wind zog über die Landschaft, und viele der Wasservögel hielten sich weit draußen auf dem Wasser auf. Motive gab es also – aber sie waren selten nah genug für die Kamera.

Doch genau solche Tage gehören zur Naturfotografie dazu. Statt uns davon entmutigen zu lassen, versuchten wir das Beste aus den Bedingungen zu machen. Das graue Licht bot ideale Voraussetzungen für High-Key-Aufnahmen. Durch bewusst helle Belichtungen ließen sich die Vögel fast grafisch vor dem hellen Hintergrund darstellen – reduziert, ruhig und ganz anders als klassische Tierporträts.

Zwischendurch gab es immer wieder kleine Momente, die für Aufregung sorgten. Ein besonderes Highlight war die Rohrweihe, die plötzlich über das Schilf glitt und für kurze Zeit unsere volle Aufmerksamkeit auf sich zog. Warm wurde uns in den Momenten, wo die Sonne sich tatsächlich einmal zeigte.

Auf dem Rückweg erwartete uns dann noch eine kleine Überraschung: Die Störche zeigten sich nun deutlich aktiver als zu Beginn. Immer wieder klapperten sie lautstark auf ihren Nestern oder flogen kurz vor Sonnenuntergang nochmal ihre abendlichen Runden – perfekte Gelegenheiten für ein paar letzte Bilder.

Während des Workshops hatten viele das Gefühl, dass die Bedingungen eigentlich gar nicht ideal gewesen waren. Zu windig, zu wenig Vögel, zu große Entfernungen. Umso größer war die Überraschung, als wir später die entstandenen Fotos anschauten. Plötzlich zeigte sich, dass doch eine ganze Reihe besonderer Bilder entstanden war – oft ganz andere als ursprünglich erwartet.

Und genau das ist vielleicht eine der wichtigsten Erkenntnisse solcher Tage: Gute Naturfotos entstehen nicht nur bei perfekten Bedingungen. Manchmal entstehen sie gerade dann, wenn man bereit ist, sich auf das einzulassen, was die Natur einem an diesem Tag bietet.

Oder anders gesagt: Man muss nur genau hinschauen – selbst an einem grauen, windigen Nachmittag. Nichts, desto trotz freuen wir uns jetzt auf die wärmeren Tage und auf unseren Workshop im Frühlingswald. Wenn du auch dabei sein möchtest, schau gerne mal rein.

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Farbenfrohes Grau